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Pippo Bär wieder in Ketten – Ein kulturelles Manifest
Donnerstag, den 26. August 2010 um 03:04 Uhr

articlesDer Zeit ihre Kunst und der Kunst ihre Freiheit. So steht es heute noch auf den Mauern des Wiener Sezessionsgebäudes. Ein Leitspruch, der von den meisten kulturell aufgeschlossenen Menschen durchaus akzeptiert und auch befürwortet wird. Nur nicht in der Landeshauptstadt Bozen, wo der kulturellen Entfaltung in Bereichen wie der Musikkultur, Stück für Stück der Boden unter den Füßen hinweggerissen wird. Immer mehr alternative Veranstaltungslokale verschwinden in der sonst doch so kulturell engagierten Kleinstadt. Die wenigen, die noch übriggeblieben sind, werden von Zwangsruhezeiten erdrückt. Den Preis bezahlen wir, die wir sehr wohl ein Interesse an einer kreativen Entfaltungsmöglichkeit brauchen und auch wollen.

 

Die Zeit ist nun reif, nein zu sagen und eine klare Botschaft an die Jugendlichen, sowie an die gesamte Bevölkerung zu senden.

Das PIPPO.stage wird von vielen als die Auferstehung des alten Bären angesehen, der vor Jahren die Hauptattraktion der Talferwiesen war. Doch gleich wie der Bär früher, scheint nun auch die im Herbst 2008 eröffnete Räumlichkeit für kulturelle Tätigkeiten, in Ketten gelegt.

Nach einem Jahr schon, wurde die Sperrstunde des unter den Jugendlichen sehr beliebten Konzertveranstaltungsortes von 01:00 Uhr auf 23:30 Uhr verlegt. Grund dafür sind die Beschwerden einiger weniger Anrainer, die als einzige Personen weit und breit in der Kaserne auf der anderen Seite der Cadornastraße wohnen. Ruhestörung wurde den Verantwortlichen vorgeworfen. Dieses vermeintliche Eindringen in die Privatsphäre einer minimalen Anzahl von Bozner Bürgern wird hauptsächlich von den ca. 30 Konzerten im Jahr verursacht, welche das Jugendzentrum Papperlapapp und der Kulturverein Arci dort organisieren. In dem vergangen Jahr hat man einen Schnitt von ca. 90 Besuchern pro Konzert aufgezeichnet, was im Jahr einen Personenanzahl

von 2700 begeisterten Konzertbesuchern ergibt, welche momentan ihrer Passion nur beschränkt nachgehen können. Jeder fachmännische Konzertveranstalter, sowie Besucher, weiß, dass man keine anständigen Konzerte auf die Beine stellen kann, welche dann ein Ende finden müssen, noch bevor sie angefangen haben. Sollte man wirklich so vielen musikbegeisterten Jugendlichen der Landeshauptstadt ihre Freude nehmen, wegen einer Hand voll untoleranter Nachbarn, welche durch Konzerte nicht mehr gestört werden, als durch vorbeifahrende Motorräder oder Autos. Straßenlärm wird nämlich keineswegs als Ruhestörung angesehen, Livemusik jedoch schon.

Die Verteilung der Lizenzen für Öffnungszeiten scheint in Bozen nicht klar geregelt zu sein. Denn, warum müssen manche Plattformen frühzeitig geschlossen werden, während in von Anrainern umringten Lokalen im Stadtzentrum bis um 02:00 morgens Livemusik gespielt werden darf? Gibt es in unserer Stadt den keine allgemeingültige Regelung der Sperrstunden? Und warum werden Konzerte Partys und Discotheken gegenüber benachteiligt?

 

 

Das Problem liegt nicht nur beim PIPPO.stage, sondern überall in der Stadt werden Konzerte als kulturelle Events permanent unterdrückt. Nicht nur, dass den Nachfragen keineswegs nachgegangen werden kann, sondern es wird dadurch den Jugendlichen auch die Möglichkeit und der Freiraum genommen, sich nicht nur als passive Zuschauer, sondern auch als aktive Mitarbeiter oder Organisatoren zu beteiligen. Alternativen gibt es so gut wie keine. Den Malern wird ein Tempel gebaut, den Dramaturgen ein Heiligtum, nur uns Musikern wird immer mehr Raum genommen, anstatt zur Verfügung gestellt.

 

Doch hier hört es auf. Wir nehmen es von nun an nicht mehr stillschweigend hin, dass man uns alles wieder einreist, was wir uns mühsam über die Jahre hinweg erkämpft haben.

 

Des Weiteren sind wir keine dahergelaufenen Störenfriede, sondern ein Ensemble von kompetenten und fachkundigen Personen, welche teilweise schon bis zu 10 Jahre in der Bozner Musikszene tätig sind. Aber vor allem sind wir Jugendliche, die ihre Zeit nicht vergeuden wollen, welche Anspruch darauf erheben, dass ihrem Kulturbereich endlich eine angemessene Entfaltungszeit zugestanden wird.

Der diplomatische Weg scheint nicht weit zu führen, denn nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt im Februar 2010, zeigt sich nicht die geringste Regung von Seiten der Behörden. Wir lassen uns aber nicht schon wieder abwürgen, sondern werden so lange kämpfen, bis unserem Anliegen nachgegangen wird. Mit diesem Manifest ist die Sache nicht getan. Es werden Unterschriftensammlungen folgen, Leserbriefe verfasst, Kundgebungen, Flashmobs, Pressekonferenzen sowie Demonstrationen stattfinden. Notfalls werden wir als Straßenmusiker auftreten, wenn man uns die Lokalitäten nicht genügend Zeit lässt, unserer Sache nachzukommen.

 

Was wir wollen ist im Grunde recht Simpel: Die Jugendlichen und die Bevölkerung auf unser Anliegen aufmerksam machen, das Ende der Livemusik im Pippo Stage auf eine normale Pub- Zeit erweitern, sprich Livemusik Stopp um 01:00 Uhr, Sperrstunde um 01:30. Zudem fordern wir eine Veränderung der Gesamtsituation in der Landeshauptstadt, denn es kann nicht sein, dass kulturelle Entfaltung, die sogar in anderen Südtiroler Städten ganz normal und ungestört über die Bühne geht, bei uns in der Lansdeshauptstadt so stark unterdrückt und eingeschränkt wird. Deshalb sollte ein Recht auf Musikkultur den Jugendlichen des 21.Jahrhunderts gewährt werden können.

 

Geschrieben von: Christian Wieser (SOS - Sein Oanfoch Stuff)

 

Kommentare  

 
+1 #4 Ulrich 2010-09-16 13:33
Guter Artikel!
Genau das, was im vorletzten Absatz angesprochen wird, ist das Problem: der Musik wird nicht der Stellenwert zuerkannt, den sie verdient.
Für Sport und den meisten anderen Kunstformen ist immer genug Geld sowie Akzeptanz vorhanden, nur Musik wird immer nur als "Krawall" und nicht als "Kunst" angesehen! Dabei gibt es gerade in Südtirol viele Musiker, darunter auch sehr viele erfahrene u. kompetente Leute.

Ich hoffe, dass sich die Einstellung der Menschen hier in Südtirol bezüglich live-Musik ändert, sodass man vielleicht irgendwann tatsächlich mal bis nach 23:00 Musik machen kann bzw. ohne aufwändige Genehmigungen in einer Bar spielen kann, ohne von den Carabinieris verscheucht zu werden!
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0 #3 chris! 2010-09-07 16:30
forte tobe!
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+3 #2 Patze 2010-08-29 11:33
sehr geiler artikel tobe!!
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0 #1 Luis 2010-08-27 21:02
Ähnliches hat sich oder hat sich auch in Brixen abgespielt wo die Musikzene die letzen Jahr den Bach runter gegangen ist. Dies ist sie nicht aus dem Grund, dass es keine guten Musiker gibt ganz im Gegenteil, der Grund dafür ist der Beschluss dass nach 23:00 keine Musik mehr außerhalb von geschlossen Räumen gespielt werden darf. Bis jetzt weigert sich die Gemeinde aber sich um so einen angemessenen Raum für Veranstaltungen zu kümmern.
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