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Bozen: Streitberger-Keller droht das Aus
Mittwoch, den 10. November 2010 um 10:53 Uhr


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 Die Parties im Streitberger-Keller in der Bozner Museumstraße sind so legendär wie Elmar Streitberger selbst. Schon seit 35 Jahren treffen sich dort Musikliebhaber, Bozner Promis und auch schon so mancher Weltstar.

Nun steht der Keller vor dem Aus. Ob berechtigt oder nicht, darüber ist sich selbst die Gemeinde nicht ganz im klaren. Elmar Streitberger hatte mit seinem Keller wahrlich schon viel Ärger. In den vergangenen Wochen hat sich die Situation allerdings so zugespitzt, dass sich der Konditormeister gezwungen sieht, seine bis Weihnachten geplanten Privatfeiern abzusagen. Begonnen hat alles mit einem drastischen Durchgreifen der Stadtpolizei, die am 22. Oktober eine Feier im Keller platzen ließ und alle Gäste nach Hause schickte. Damals wurde das Argument „öffentliche Sicherheit“ ins Feld geführt, welches es den Behörden möglich macht, immer einzugreifen – egal ob es sich um eine private oder öffentliche Veranstaltung handelt. Öffentlich dürfte Streitberger seinen Keller ohnehin nicht betreiben, da er nicht über die nötigen Benutzungsgenehmigungen und auch nicht über die geforderten Sicherheitsvorkehrungen verfügt (einen Notausgang gibt es nur nahe des Kellereingangs, nicht aber im Keller selbst). Zwar musste Streitberger bereits einige Male Strafen begleichen, da er seine Veranstaltungen als öffentliche Feste betrieben hat, jedoch gibt er an, dass er jetzt nur mehr private Feierlichkeiten in seinen Räumen abhält. Privat ist für die Behörden all das, was nicht öffentlich uneingeschränkt zugänglich ist, also lediglich auf Einladung erfolgt. Zudem darf kein Eintritt verlangt und auch für Getränke nichts bezahlt werden. Genau so sei es auch am 22. Oktober abgelaufen, wie Streitberger betont. Nun ärgert er sich darüber, dass in Bozen private Aktivitäten immer mehr eingeschränkt würde. „Die Bürger haben das Recht auf ein bisschen Freiheit,

vor allem wenn es um die Musikszene geht“, sagt Streitberger. Er sei sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst und kontrolliere bei jeder Feier selbst, dass den Gästen nichts passiere, schenke keinen hochprozentigen Alkohol, lediglich Bier, Cola, Orangensaft und Wasser auf. Warum also, wenn er doch alle Regeln eingehalten habe, seien seine Gäste aus dem Haus gejagt worden? Auf diese Frage kann auch die Gemeinde derzeit nur mit dem Argument „öffentliche Sicherheit“ antworten. Niemand kann oder will jedoch klar aussprechen, ob Streitberger mit seinen Privatpartys gegen die Regeln verstößt oder nicht. Augenscheinlich ist hier eine rechtliche Grauzone vorhanden, zumal bei öffentlichen Lokalen sehr viel genauer geregelt ist, wie viele Leute sich in der Räumlichkeit aufhalten können und zu welchem Zweck diese eigentlich genau genutzt werden dürfen. Bei Elmar Streitberger ist diese Nutzungsfrage – wie an vielen anderen privaten Orten auch – ungeklärt. Derzeit sind sämtliche zuständige Behörden – von den Gesundheitsämtern über die Finanzwache, die Brandverhütung, das Lizenz- und Urbanistikamt auf den „Fall Streitberger“ angesetzt. Nicht zuletzt deshalb will der eingefleischte Musiker nichts riskieren, saftige Strafen vermeiden und wird alle Privatpartys bis auf weiteres absagen. Goldene Nase habe er sich mit seinen Privatveranstaltungen sicher keine verdient, doch ist er – wie viele Partygänger auch – fest davon überzeugt, dass sein Lokal einen historischen Wert hat. Nicht nur weil dort Weltstars ein und ausgingen, sondern vor allem, weil er der heimischen Bandszene eine Plattform bietet, die ihr in Bozen nirgends mehr gewährt wird.

Ursula Pirchstaller

Quelle: www.stol.it


 

Kommentare  

 
0 #4 sonja 2012-03-06 21:58
Das Nachtleben in Suedtirol retten wir nicht indem wir die Oeffnungszeiten der pubs verlaengern, sondern indem wir auf neue Tanzlokale bestehen in neuen locations, wie z.B. in der Industriezone in Bozen, wo alte Fabriken leer dastehen, stat renoviert zu werden um als Lokale wie Halle28 zu fungieren. Das Problem in Suedirol ist dass die Lokale nur mehr fuer teenagers gedacht sind und desshalb hoert das Sozialleben in Suedtirol spaetestens mit 25 Jahren auf!...hingegen in anderen italienischen bzw oesterreichischen Staedten gibt es auch Lokale fuer (over 25), ich spreche nicht con pubs, sondern von Tanzlokalen. In Bozen gibt es vieleicht 30 pubs und keine einzige disco fuer nicht-teenager...desshalb sind wir gezwungen uns in bars stundenlang aufzuhalten und uns hinter einem Bierglas zu verstecken, weil uns sonst die Tuersteher vor einer Disco fragen, ob wir nach unserem Sohn suchen...das ist alles sehr traurig und sinnlos. Statt eine Bar nach der anderen zu oeffnen sollten mehr Tanzlokale "in der Industriezone" eroeffnet werden. Die Gemeinde Bozen genehmigt dass im Stadtzentrum pubs eroeffnet werden und wundert sich dann dass die Anrainer sich beschweren...es hat wirklich keinen Sinn mehr herumzustreiten wie lange die pubs offen bleiben sollen. Baut mehr Tanzlokale ausserhalb der Stadt und dann koennen die pubs auch frueher schliessen, die verdienen untertags sowieso genug geld. Jeder Tourist der sich in Bozen laenger als eine Woche aufhaelt, behauptet dass hier nichts los ist und dass Tanzlokale wie z.B. Apres, Exclusic, Juwel, Mirò, Rise usw, keine alternative Musik spielen. Aus diesem Grund stehen die meisten auch nur herum statt zu tanzen. Im Apres wurde bis vor kurzem nur Neu Deutsche Welle gespielt, um zu vermeiden dass Italiener auftauchen, so ein Bloedsinn...das ist auch einer der vielen Gruende weswegen wir keine Nachtleben haben, wir wollen uns gegensetitig vermeiden, bzw. wir werden dazu von anderen gezwungen. Halle28 ist ein Lokal in dem beide Volksgruppen zu finden sind...nehmen wir uns ein Beispiel daran, und spielen bitte alternativere Musik statt nur kommerziellen Sch..ss, danke!
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-1 #3 Andor 2010-11-11 09:43
zitiere Walter:
was soll man dazu sagen: wenn jemand ohne Lizenz, ohne die nötigen Sicherheitsbestimmungen zu beachten, ohne sich um alle Scherereien, die sonst jeden Veranstalter auferlegt werden (Siae/Enpals, Genehmigungen etc), Feten organisiert, darf man sich nicht wundern, dass die Falle irgendwann zuschnappt.
Warum muss jedes Lokal Bestimmungen einhalten und er nicht?
warum konnte er dreissig jahre lang machen was er wollte??

Bin nur froh für ihn, dass bei all den Festen nie was passiert ist, da wären wahrscheinlich alle im Feuer oder Rauch erstickt.

Diese Denkweise ist der Grund, warum in ganz Südtirol nicht passiert... Bevor ich ein Farz mache, muss ich mich erkundigen: Darf ich das, wann darf ich das, wieso darf ich das, habe ich diese Lizenz und jene Lizenz und vielleicht auch noch ein weitere... Kein Wunder dass da keiner mehr lust hat irgend was zu organisieren, wenn man dann eh nur Nachteile davon zieht...
Wieso ist es früher ohne solchen Umständen gegangen? Wieso darf ich nicht 500 Leute in meine Wohnung oder wo auch immer einladen und da einfach mal Party machen?? Ganz einfach! Weil da niemand (Staat, Gemeinde, SIAE, und und und...) mitverdient...
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-7 #2 Walter 2010-11-10 16:47
was soll man dazu sagen: wenn jemand ohne Lizenz, ohne die nötigen Sicherheitsbestimmungen zu beachten, ohne sich um alle Scherereien, die sonst jeden Veranstalter auferlegt werden (Siae/Enpals, Genehmigungen etc), Feten organisiert, darf man sich nicht wundern, dass die Falle irgendwann zuschnappt.
Warum muss jedes Lokal Bestimmungen einhalten und er nicht?
warum konnte er dreissig jahre lang machen was er wollte??

Bin nur froh für ihn, dass bei all den Festen nie was passiert ist, da wären wahrscheinlich alle im Feuer oder Rauch erstickt.
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+4 #1 phk 2010-11-10 12:37
wie wir sehen trifft es nicht nur die jugen menschen. die gemeinde macht es wohl allen schwer.
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